von Ulrike Reuter
Die 10-Stunden-Marke bei der Challenge Roth war für Johannes schon lange ein großes Ziel. Nach zwei bisherigen Starts in Roth und insgesamt vier Langdistanzen sollte es dieses Jahr dann klappen.
Statt „Training nach Lust und Laune“ nahm sich Johannes dafür vor, „Training nach Plan“ anzugehen. Die Frage war nur: woher kommt der Plan? Nachdem ich mein Sportstudium abgeschlossen hatte, war die Lösung für Johannes schnell gefunden – wahllos und kurzerhand wurde ich dazu verdonnert (oder befördert?), seine Langdistanz-Vorbereitungs-Planung zu übernehmen. Seit November letzten Jahres gab es deshalb jede Woche einen neuen Plan, dem Johannes Tag ein, Tag aus folgte und keine Einheit ausließ.
Nach einem Trainingslager in Südtirol Ende März, dem Hamburg-Marathon im April als Formtest und der Mitteldistanz Lauingen im Juni als finaler Anhaltspunkt zum Trainingsstand waren die Voraussetzungen gut. Am Wettkampfmorgen wurde ein kleiner Albtraum von Johannes wahr: 25 Grad Wassertemperatur – Neoprenverbot.
Nicht gerade die Nachricht, auf die Johannes gehofft hatte. Das (Kraul-)Schwimmen galt für ihn immer als die Disziplin mit dem größten Verbesserungspotenzial. Nicht nur deshalb, sondern auch weil es meine persönliche Lieblingsdisziplin ist, habe ich bei der Trainingsplan-Erstellung größte Mühe und viel Sorgfalt in detaillierte und abwechslungsreiche Schwimm-Einheiten gesteckt und war überzeugt, dass Johannes diese Strecke gut hinbekommen kann. Umso überraschter war ich, als ich ihn am Main-Donau-Kanal dann … Brustschwimmen sah. Nach monatelangen Schwimmplänen konnte ich meinen Augen kaum trauen. Aber Johannes schwamm sich Zug für Zug seelenruhig durch die 3,8 Kilometer, die dann nach 1:27:15 Stunden geschafft waren und der Wechsel aufs Rad konnte kommen.
Dort lief es schon deutlich besser. Kilometer für Kilometer arbeitete sich Johannes weiter nach vorne. Die vielen Radkilometer draußen und anstrengende Intervall-Einheiten auf der Rolle machten sich bemerkbar und Johannes konnte die atemberaubende Energie auf der abwechslungsreichen Strecke genießen. Insbesondere die Stimmung am Solarer Berg sorgte wieder für Gänsehaut. Nach 180 km, knapp 1500 Höhenmeter und einer Zeit von 05:07:23 Stunden im Sattel gab Johannes sein treues Rad in die Hände von einem der über 7.000 freiwilligen Helfer vor Ort und begab sich in die zweite Wechselzone, wo er nun die Schuhe für seine Lieblingsdisziplin schnüren konnte: Der Marathon
Der Lauf begann flott, aber nach kurzer Zeit konnte Johannes seinen Rhythmus finden. Nach 5 km ging es ab an den Kanal, an dem die Athleten einen Großteil der Laufstrecke absolvierten. Hier sah ich Johannes das erste Mal in seinen Laufschuhen und wollte ihm seine Verpflegung reichen, die er mir vorab gegeben hatte. Diese wollte er aber nicht mehr haben – bereits auf dem Rad hat Johannes den Großteil seiner Verpflegung unberührt lassen und sich stattdessen nur mit Wasser hydriert. Der Magen wollte heute nicht. Also blieb nur eins: weiterlaufen und hoffen, dass die Beine länger durchhalten als der Appetit. Als Johannes den Kanal wieder verließ waren bereits rund 25 Kilometer geschafft. Jetzt ging es noch einmal durch Büchenbach, vorbei an unzähligen Zuschauern, bevor es zurück Richtung Zielstadion ging.
Mit jedem Kilometer wurde klarer, dass die Sub10 tatsächlich in Reichweite war. Als Johannes namentlich vor dem Einlauf ins Stadion angekündigt wurde, zeigte die Uhr 09:47 Stunden. Jetzt war klar – es kann nichts mehr passieren. Die magische Grenze war geknackt und mit einer beeindruckenden Marathonzeit von 03:09:56 Stunden überschritt Johannes nach insgesamt 09:49:55 Stunden auf dem grünen Teppich die Ziellinie und erhielt seine wohlverdiente Medaille.
Genug von meinen Eindrücken – fragen wir doch nochmal den Hauptdarsteller persönlich nach seinem Saison-Highlight und persönlichen Rekord-Erlebnis.
Ricky: Johannes, nochmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner beeindruckenden Leistung! Eine Woche ist mittlerweile vergangen, als Du Dein Sub10-Langdistanz-Ziel beim weltweit größten Triathlon-Wettkampf erreicht hast. Sind die Beine noch ruhig oder stehst Du schon in den Startlöchern für den nächsten Wettkampf?
Johannes: Die Beine fühlen sich schon wieder ziemlich gut und wären eigentlich langsam wieder bereit für was Neues. Ich schaue gerade schon, was dieses Jahr noch so möglich ist.
Ricky: Das Schwimmen galt lange als Deine schwierigste Disziplin. Viele Trainingsblöcke waren genau auf Deine vermeintliche Schwäche ausgelegt. Konntest Du im Wettkampf umsetzen, was du Dir vorgenommen hast?
Johannes: Kurz und knapp: nein.
Ricky: Lag’s vielleicht an der Trainerin? 😉
Johannes: Absolut nein.
Ricky: Mit welcher Zielsetzung bist Du morgens an den Start gegangen? War die Sub10 von Anfang an das große Ziel oder hast Du Dir unterwegs auch Zwischenziele gesetzt?
Johannes: Die Sub10 war eigentlich vor dem Schwimmen dann schon dahin, weil ich wusste, dass es keinen Neo geben wird und ich so viel Zeit verlieren würde. Also dachte ich mir einfach: Schauen wir mal, was rauskommt.
Ricky: Gab es sonst noch Momente am Renntag, wo Dinge nicht nach Plan gelaufen sind oder Du gezweifelt hast?
Johannes: Auf dem Rad hab ich nur wenig Essen runterbekommen, dann dachte ich mir, dass das Läufchen eine harte Nummer werden wird.
Ricky: Gab es unterwegs einen Moment, in dem Du zum ersten Mal dachtest: Heute klappt die Sub10 wirklich?
Johannes: Bei Kilometer 30 hatte ich knapp über 9 Stunden. Da dachte ich mir: 60 Minuten für 12 Kilometer sollte doch klappen
Ricky: Welche Momente fallen Dir spontan ein, die die Challenge Roth und Dein Erlebnis dort unvergesslich und unvergleichbar machen?
Johannes: Der Solarer Berg und Kristian Blummenfelt live zu sehen !!
Ricky: Nach so einem Erfolg stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es weiter? Kommen die Laufschuhe jetzt in den Keller oder stehen bereits die nächsten sportlichen Ziele an?
Johannes: Den Startplatz für Roth 2028 habe ich mir heute schon gesichert. 2027 soll’s vermutlich wieder ein Ironman werden – welcher genau, steht noch nicht fest. Und dazwischen findet sich bestimmt der eine oder andere spontane Wettkampf und neue Herausforderungen.
Eins ist klar – langweilig wird es (mit) Johannes nicht. Wir bleiben gespannt, welche Challenge er sich als nächstes setzt und wünschen ihm alles Gute!!












